Wir Konsumkinder Podcast: Staffel 1 | Folge 4: Unser gemeinsamer Lebensweg beginnt

In dieser Folge erzählen wir Dir

  • unter welchen Voraussetzungen wir in unsere Beziehung gestartet sind.
  • Welche Konsumgüter wir mitgebracht haben und welche Vorstellungen von Geld, Finanzen und Konsum.
  • Und auch mit welchen monatlichen Ausgaben wir schon konfrontiert, bevor unser gemeinsamer Weg begann.
  • Wie unsere Einstellung zu Konsum und Geld war.

Vollständiges Transkript der Folge

Carsten Hey, hier sind Carsten

Stefanie und Stefanie

Carsten Und wir erzählen dir in diesem Podcast unsere Geschichte,

Stefanie Wie wir von unmündigen Konsumkindern zu mündigen Bürgerinnen wurden. Das ist Staffel eins, Folge vier: Unser gemeinsamer Lebensweg beginnt.

Als Carsten und ich uns kennenlernten, war ich grade mega frustriert von meinem Job, aber irgendwie auch noch mittendrin, weil ich dachte okay, ich bin erst seit fünf Monaten hier. Der Job hat mir vom ersten Tag an nicht gefallen, aber ich dachte, ich muss mich da durchbeißen, weil's mein erster Job ist und mein Vater mir auch deutlich gemacht hatte, er will mich jetzt nicht mehr finanziell unterstützen und ich muss jetzt auf eigenen Beinen stehen. Und ich irgendwie nicht das Gefühl hatte, eine Alternative zu haben. Also rückblickend hatte ich Alternativen. Aber da ich halt so dazu gedrängt wurde, diesen einen Job anzunehmen, war da einfach nicht viel. Und dann war ich eben da drin und Carsten und ich haben uns im Dezember 2008 kennengelernt und zu diesem Zeitpunkt war uns klar, als wir uns das erste Mal getroffen haben, dass wir dann auch zusammenbleiben wollen.

Carsten Genau. Damals hatte ich ja noch ein bisschen außerhalb von Hamburg gewohnt.

Stefanie Und bisschen außerhalb. 200 Kilometer entfernt, ein bisschen außerhalb.

Carsten Ja, ja, das war tatsächlich dann so ein Aspekt, wo wir ja erst mal nur so eine Fern- oder Wochenendbeziehung überhaupt realisieren konnten. Das haben wir dann auch die ersten Wochen und Monate so gemacht. Aber dann war es irgendwann klar: das ist kein Dauerzustand.

Stefanie Eigentlich war uns das relativ schnell klar, dass wir zusammenziehen wollten, aber das erzählen wir dann in der nächsten Folge der zweiten Staffel. Also die erste Folge der zweiten Staffel. Da geht es dann damit los, wie das so war. Jetzt wollen wir einfach nur erzählen, was wir quasi mit in die Beziehung gebracht haben, wie es uns damals ging.

Carsten Genau. Ich hatte damals eine Wohnung, die eigentlich so von den Verhältnissen her die Mietkosten widerspiegelte, die ich in der Vergangenheit hatte. Also ich habe mir diese Wohnung jetzt nicht gesucht, weil ich irgendwie besonders günstig wohnen wollte oder eine Wohnung finden wollte, die jetzt exakt zu meinen eigenen eigentlichen Bedürfnissen passt, sondern für mich war eben ausschlaggebend, was kann ich mir gerade mal so leisten? Und habe dann auch tatsächlich in einer Villa gewohnt. Ja gut, Dachgeschoss, aber egal. Es war ein Villengebäude, es steht heute noch. Das ist natürlich so ein bisschen Prestige. Also ich hatte damals, als ich mich nach einer Wohnung umgeschaut habe, auch andere Wohnungen angeschaut und auch verschiedene Preisklassen miteinander abgewogen. Aber als dann diese Offerte da war, ja, weiß ich nicht. Irgendwie hat es mich dann gereizt, tatsächlich sagen zu können: Hey, ich wohne in der Villa. Also von daher war das dann tatsächlich so meine Junggesellenbude dann.

Stefanie Sehr minimalistisch und sah auch aus wie eine Junggesellenbude.

Carsten Minimalistisch stimmt schon.

Stefanie Ja. Bei mir war es ja so, dass ich dann eben aus dem Ruhrgebiet nach Hamburg gezogen bin und in eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Bei Dir waren es zweieinhalb oder drei?

Carsten Es waren zweieinhalb, wobei der Flur, Wohn und Essbereich ein relativ großer Raum war. Die sind so ineinander übergegangen.

Stefanie Ja, genau. Und bei mir war eben das Kriterium, da ich ja einen Hund hatte, damals schon. Das habe ich jetzt bisher noch überhaupt nicht erwähnt. Also 2007 habe ich einen Hund aus dem Tierheim adoptiert und diese Hündin war damals auch mit dabei und ich konnte sie nicht mit zur Arbeit nehmen. Und deswegen war ein Kriterium, dass ich mir eine Wohnung suche, die nicht weit von der Arbeit entfernt ist. Die Arbeit war ganz im Norden von Hamburg und ich bin dann letztlich in Fuhlsbüttel gelandet, am Flughafen in einer Wohnung dann, da habe ich auch gucken müssen, als ich die Wohnungen ausgesucht habe, so die Wahl, ob die Flugzeuge so direkt über die Wohnung hinweg fliegen und du immer mal wieder nichts mehr hörst außer den Flugzeugen oder du dich doch noch neben der Flugschneise befindest.

Und ja, ich hatte auch nicht viel Zeit. Das war das Problem bei der Wohnungssuche, das ging alles zack, zack, zack. Ich hatte einen Monat Zeit, mir was zu suchen, meine ich. Also es war wirklich nicht viel Zeit und ich musste mich schnell entscheiden. Und ich bin dann auch innerhalb von zwei Tagen umgezogen und da hatte ich jetzt nicht so die Möglichkeit verschiedenste Dinge abzuwägen, sondern es musste halt irgendwie bezahlbar sein und von der Nähe zur Arbeit musste es stimmen. Eingerichtet habe ich es dann durchaus neu. Also ich habe mir ein neues Bett gekauft, auch nicht gebraucht. Ich hatte noch so ein paar Möbel, die da rein passten, aber dadurch, dass ich vorher diese Zwischenschritte hatte, dass ich ja erst die 2-Zimmer-Wohnung hatte, zu Studentenzeiten dann die WG gegründet habe und dann aber aus der WG noch zu der Kommilitonin gezogen bin, habe ich in diesem Zwischenschritt mein Hab und Gut sehr ausgedünnt, weil ich dorthin dann zu der Kommilitonin wirklich nur ein Schlafsofa, einen Schreibtischstuhl und so eine notdürftige Garderobe mitgenommen habe. Da hatte ich wirklich nicht viel.

Ich habe einiges davon dann schon in dem Haus meiner Oma eingelagert und davon aus dem Bestand habe ich dann auch was mitgenommen. Aber ich hatte kein Bett mehr, denn das große Bett, was ich vorher hatte, - damals, als ich mit meinem Freund zusammengelebt hatte, das Doppelbett, hatte ich mit in meiner Studentenzeit mitgenommen - das hatte ich verkauft und ich hatte halt vieles auch schon verkauft und weggegeben und nur einen Bruchteil von dem, was ich damals besessen habe, mit umgezogen, sodass ich da wieder neu investieren musste. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das auch so bezahlt habe, ohne Schulden aufzunehmen, denn damals war es mir ja auch noch gar nicht möglich, irgendwie einen Kredit aufzunehmen oder so. Ich war ja Studentin, der gibt niemand einen Kredit und entweder haben meine Eltern da mitgeholfen oder ich habe das so finanziert. Jedenfalls hatte ich da eben teils Dinge, die ich schon länger besessen habe und teils Dinge neu gekauft.

Carsten Ja, bei mir war die Situation so ein bisschen anders. Sehr viel aus meiner vorherigen Beziehung und Wohnsituation hatte ich jetzt nicht, was ich in meine neue Wohnung mit rüber nehmen konnte. Das war im Grunde genommen dieser maßgeschneiderte Schreibtisch, den ich mir zu Beginn meiner damaligen Selbstständigkeit mal geleistet hatte. Und der Bürostuhl. Viel mehr blieb da jetzt gar nicht von übrig. Ich weiß gar nicht, ob ich im Bereich von Küchenutensilien noch ein bisschen was mitnehmen konnte, aber das waren alles so Gebrauchsgegenstände, die ich mir dann teilweise auch neu kaufen musste. Da habe ich, ich sag jetzt mal so, auch bei Restposten, Läden etc. einfach nur so versucht, Gläser und Geschirr und so was zu holen. Was Möbel betrifft, habe ich mich vornehmlich an dem orientiert, was ich vielleicht noch aus Jugendzeiten hatte. Da konnte ich noch ein bisschen was aus meinem Elternhaus abzwacken. Sachen, die unten im Keller dann irgendwo standen und eigentlich nicht mehr benötigt wurden. Also meinen ganz alten Kleiderschrank, den ich schon als Kind hatte. Die uralte Sofa Garnitur, die noch unten im Partykeller stand, die konnte ich dann weiterverwenden und beim Bett stand ich auch wirklich erst mal komplett blank da.

Ich hatte eigentlich am Anfang gar keins, habe dann aber durch Zufall bei einer damaligen Arbeitskollegin mitbekommen, dass sie und ihr Lebensgefährte eine komplett neue Einrichtung organisiert hatten und dementsprechend ein Bett übrig hatten. Was für mich auch passte, weil aufgrund meiner Körpergröße für mich wichtig war, dass ich ein Bett mit wenig Begrenzungen finde. Also sprich kein kleines Vorder- und Fußteil, sondern auch die Möglichkeit habe, dann noch mal die Beine aus dem Bett baumeln zu lassen. Und zwar nicht seitwärts, sondern hinten. Das war so ein richtig massives Gestell, das lebt tatsächlich heute noch. Es wurde im Verwandtschaftskreis dann weitervererbt, aber das war alles irgendwo gebraucht und irgendwo so zusammengeschustert, dass es gerade die Wohnung füllt, also mehr auf Nutzen aus, als dass das jetzt wirklich eine ansehnliche Wohnungsausstattung war.

Stefanie Ja, mir war das schon wichtig, dass es schön eingerichtet ist, alles bei mir und ich hatte halt ein Schlafzimmer und dann hatte ich eben ein Wohn- und Arbeitsbereich, da ich ja immer noch tatsächlich die nebenberufliche Selbstständigkeit hatte. Ich hatte ja immer noch so ein paar Bestands-Kund·innen, die ich gepflegt habe, neben meinem Vollzeitjob, was dann auch in Ordnung war, weil ich gesagt habe, ich habe die jetzt halt schon so lange und ich möchte die gerne weiter pflegen. Das war okay, solange ich nicht neue Kunden akquiriert hätte, war das in Ordnung. Ich hatte es mir schon schön gemacht. Sagen wir mal so.

Also, mein großes Problem, meine Achillesferse, die ich mit in unsere Beziehung gebracht habe, war tatsächlich das Auto. Ich hatte ja, als ich von zu Hause ausgezogen bin, den Citroen C2, den kleinen Flitzer. Und den habe ich auch bis zum Ende abbezahlt. Und anstelle, dass ich den dann einfach übernommen hätte zu dem Zeitpunkt - das war genau passend, diese fünf Jahre später, als ich dann mein Diplom gemacht habe, war der abbezahlt – und ich hätte den für schmales Geld übernehmen können, weil es ja eben auch ein kleines Auto war. Ich glaube, ich hätte irgendwie noch so 1.000 € zahlen müssen. Oder 2000. Ich weiß es nicht mehr. Ähm, habe ich mich dann entschieden es muss ein Alfa Romeo Sportswagon sein, ein schönes Auto, ein schickes Auto, das aber auch in der Lage ist, einen Anhänger zu ziehen, weil es immer noch mein Traum war, mir ein Pferd zu kaufen und ich ja auch dieser Vorstellung erlegen bin: sobald ich mein Diplom habe, regnet es Geld und wenn es Geld regnet, ist es mir auch möglich, mir ein Pferd zu kaufen. Und deswegen war das eine langfristige Investition. Quasi, dass ich gedacht habe, wenn ich jetzt ein Auto lease - das war ja auch wieder geleast über meinen Vater - dass ich dann direkt ein Auto nehme, das eben auch diesen Anhänger ziehen kann. Und mir ist erst später bewusst geworden, als ich mit meinem Vater nochmal darüber geredet habe, dass er mir das nur ermöglichen konnte, weil ich mich schon gewundert hatte, wieso das auf meinen Namen laufen konnte, weil ich ja überhaupt keine Sicherheiten bieten konnte. Und er hat halt die Sicherheiten für mich hinterlegt und ohne ihn hätte das alles gar nicht funktioniert.

Und ich weiß das noch wie heute, wie ich damals eben bei meinem Freelancer Job da in der Agentur stand. Wir standen auf dem Balkon, ich mit den drei Chefs zusammen, mein neues, blitzblankes, tolles Auto stand auf dem Parkplatz und wir gucken es alle zusammen an und der eine Chef sagt zu mir, wie ich mir das denn leisten kann. Ob ich das auch alles wirklich richtig kalkuliert habe? Der hat sich wirklich um mich gesorgt. Und ich muss sagen, wenn Sie das jetzt hören sollten: Sie haben recht gehabt, Sie haben so recht gehabt. Es war eine Fehlentscheidung, definitiv, dieses Auto zu nehmen.. Es war dumm. Es war einfach schlichtweg dumm. Und ich hätte auf Sie hören sollen in dem Moment. Ich weiß nicht, ob ich es damals noch hätte rückgängig machen können, weil es war ja schon da und ich hatte alles unterschrieben und es ist ja für mich angefertigt worden nach meinen Wünschen. Also ich weiß nicht, ob ich da wieder rausgekommen wäre, ich weiß es einfach nicht. Aber es war eine schlichtweg total schlechte Entscheidung. Und ich weiß halt noch, wir standen da und ich habe das vorgerechnet und habe gesagt, doch, ich kriege das und das Gehalt und das ist die Leasingrate und das ist die Miete und das sind die Steuer usw. und so fort. Und das passt doch alles. Und dann guckt er mich an und sagt: Wovon wollen Sie sich was zu essen kaufen? Und dann hatte mein Auto das Kennzeichen in der Mitte die Buchstaben „OE“ und dann haben sie alle gewitzelt, das heißt „ohne Essen“. Und ja, ich weiß das noch wie heute, wie wir da alle standen auf dem Balkon und die das gesagt haben und ich immer gedacht habe, nein, das kann gar nicht sein und so, und ich wollte es nicht wahrhaben, ich wollte es einfach nicht wahrhaben.

Und ich bin da echt total blauäugig in die Misere reingerannt, denn bis dahin hatte ich keine Schulden. Ich hatte wirklich keine Schulden. Ich hatte wie gesagt meine Excel Tabellen, mit denen ich da alle meine Einnahmen und Ausgaben kalkuliert hatte und ich hatte es ja auch kalkuliert. Ich hatte aber schlicht keine Erfahrung, wie viel Essen ich sonst verbrauchen würde. Ich hatte ja schon alleine gelebt und es hat alles immer irgendwie funktioniert, aber da habe ich mich total verkalkuliert und es hat alles irgendwie funktioniert. Aber ich musste mir dann immer noch ein bisschen Geld von meinen Eltern leihen, jeden Monat. Die haben mir glaube ich immer so 200 € oder so zugeschossen, damit ich am Ende des Monats, wenn es knapp wurde, dann mir noch was zu essen kaufen konnte und es war einfach eine totale Fehlkalkulation.

Also mein ganzer Start ins Berufsleben war die totale Fehlkalkulation. Den falschen Job gewählt, mich mit viel zu viel Ausgaben belastet, Gedanken gehabt, von wegen es regnet Geld und wenn ich nur ein Diplom habe, wird alles toll und so lief das alles einfach nicht. Ja, es war total realitätsfern, aber das ist eben jetzt wieder rückblickend, dass ich rückblickend das natürlich verurteilen kann. Und ich kann rückblickend sagen: Wie dumm warst du eigentlich? Wie blöd warst du eigentlich, so in das Leben zu starten? Du hattest vorher keine Schulden und du hättest dir so was nicht ans Bein binden sollen. Aber ich habe es mir halt ans Bein gebunden, dieses Auto und es war echt cool. Es war so schick, es war toll und ich war so stolz auf mein Auto. Und ich habe laut Musik da drin gehört, dröhnend. Und ich bin damit über die Autobahn gerast, schnell wie der Blitz. Und es war einfach genial.

Carsten Ja, dieses Gefühl hatte ich damals auch, als ich mir meinen kleinen Audi A3 geleistet habe. Ähnlich unbefangen von der Entscheidung. Ich habe mich ja gar nicht an dem orientiert, was sinnvoll gewesen ist, sondern einfach zugegriffen, weil ich es mir irgendwie leisten konnte. Damals hatte ich allerdings eben den Luxus, dass ich keine Miete hatte und ansonsten auch keine anderen Unkosten, sondern tatsächlich die einzige Rate nur für das Auto aufbringen musste. Aber letztendlich hat mich das Auto ja dementsprechend auch so ein bisschen, ja nicht überrascht, also es war ja nicht Schuld des Autos, sondern dieser ganz unangenehme Unfall, wo ich eine Teilschuld habe, was nachher auch mein Vorteil war, weil ich erst gedacht hatte, ich bin eigentlich der Schuldige an der ganzen Geschichte, letztendlich war es aber eine Teilschuld, die hat mir dann noch mal finanziell so eine kleine Spritze verschafft, weil durch diese Teilschuld der wirtschaftliche Schaden, der durch den Verlust des Autos entstanden ist, von beiden Parteien getragen wurde. Und ich habe letztendlich noch ein paar Euronen da rausbekommen. Die haben aber das nicht aufgefangen, was ich tatsächlich noch als Kreditbelastung bei der Bank laufen hatte. Ich hatte ja seinerzeit aufgrund meiner Selbstständigkeit den ursprünglichen Autokredit und den Konsumentenkredit zur Finanzierung meiner selbstständigen Tätigkeit zusammengelegt und beides hatte noch Bestand und ich habe im Grunde genommen bis vor ein paar Jahren noch beides abbezahlt. Das heißt also die Altlasten des Autos, die finanzielle Belastung hat mich weit, weit länger beschäftigt, als ich überhaupt Fahrspaß genießen konnte.

Stefanie Ja, und so war das eben, als wir uns kennengelernt haben, dass du mit diesem Kredit in unsere Beziehung gekommen bist. Und das Interessante war ja, du hattest eigentlich so gar keine Ahnung davon, wie es mit deinem Konto aussieht.

Carsten Ich war eigentlich ein Excel-Spezialist, aber ich hatte keine Excel-Liste so wie du. Ich war ja damals schon in der IT ansässig und habe aber die Tools zwar sehr gut in der Hand gehabt, aber tatsächlich nie eine Affinität für Finanzzahlen gehabt. Das ist tatsächlich etwas, was mich dann auch Zeit meines Lebens beruflich immer begleitet hat. Immer wenn ich da von der beruflichen Ecke in eine Anforderung rein gegangen bin oder reingedrückt wurde, wo es um Finanzen geht, da habe ich mich immer extremst unwohl gefühlt. Und das scheint auch so ein so ein privates Phänomen bei mir zu sein. Also beruflich tue ich mich da schwer, aber eben auch privat. Und ich habe nie gelernt, wirklich einen Blick auf meinen Kontostand zu werfen. Also tatsächlich war es so, dass zu dem Zeitpunkt, wo wir uns kennengelernt haben, wusste ich gar nicht, wie viel Geld ich habe bzw. ja, indirekt wusste ich es schon, weil ich gemerkt habe, es war kein Geld mehr da.

Ich habe den Dispo ein paar Mal wirklich so ausgereizt, dass ich dann auch nichts mehr hatte und mir auch Geld zwischendurch mal leihen musste, um tatsächlich mal so ein bisschen Nahrungsmittel zu kaufen. Das war aber auch dem Umstand geschuldet, dass ich gerade in der neuen Wohnung so die Gebrauchsgegenstände gekauft habe, also Bügeleisen, Bügelbrett, Waschmaschine etc. Das hat dann die letzten minimalsten Reserven aufgezehrt und dann war schlichtweg kein Geld mehr da. Aber generell hatte ich keine Ahnung, wie viel Ausgaben ich pro Monat hatte. Ich wusste, was verdiene ich, aber ich wusste nicht, was gebe ich eigentlich aus? Also gut, Miete ja, aber das Gesamtvolumen dessen, was da als Miete, Kreditbelastung, Nebenkosten, Essen etc. Kleidung, also die die Höhe, keine Chance, hätte ich zu keinem Zeitpunkt sagen können, wie hoch da meine Ausgaben waren.

Stefanie Ja, und als wir dann eben unsere Haushalte zusammenlegen wollten, wollten wir auch die Konten zu einem Anbieter zusammenziehen. Und da haben wir dann festgestellt, es geht nicht. Carsten hat einen Dispo und genau das war auch noch da, wo ich grade Dispo sage. Das war auch noch bei mir damals die Szene auf dem Balkon, wo ich dann nämlich zu dem einen meiner Chefs gesagt habe: „Ja, ich habe doch einen Dispo, das reicht doch - ich hatte so einen 300 € Dispo - das reicht doch, damit kann ich ja immer dann puffern.“ Und er meinte: „Ja, aber den haben Sie ja nur einmal. Und dann ist er ausgeschöpft.“ Und ich dachte, den gibt es halt jeden Monat neu – warum auch nicht?

Carsten Das wäre gut.

Stefanie Ja und ich habe gedacht: „Ja, was will er denn, was hat er denn? Das passt doch alles!“ Und so hat das angefangen, was so Schulden machen angeht, also zu viel Geld ausgeben. In dem Sinne war ich noch nicht so weit tatsächlich, ich bin echt so da rein gestartet und als Carsten und ich dann zusammenkamen und wir gedacht haben, wir suchen uns eine gemeinsame Wohnung, wollten wir natürlich unsere Finanzen auch zusammenlegen und ein Gemeinschaftskonto eröffnen und dadurch, dass ich halt mit meiner Tabelle die ganze Zeit unterwegs war und wir gedacht haben, okay, dann zieht Carsten - ich weiß gar nicht mehr, bei welchem Anbieter du vorher warst - aber jedenfalls dann zu dem Anbieter um, den ich damals gewählt hatte und es ging halt nicht. Und dann haben wir festgestellt, okay, wir sollten vielleicht mal gucken, was ist denn da eigentlich los? Oder wie hoch ist der Dispo? Was muss dann noch gemacht werden, bis du dann halt dein Konto da kündigen kannst und alles dann auf das neue Konto umziehen kannst? Und das war schon diese Ausgangssituation, auch dass du eigentlich nicht so wirklich Ahnung hattest von dem - Du hast zwar viel Geld verdient, aber du wusstest auch nicht so genau wo fließt es so hin. Und bei mir war es halt so, ich wusste eigentlich ganz genau, was alles an Ausgaben da ist, aber ich hatte das total falsch kalkuliert.

Carsten Ja, und mein Verhältnis zum Geld, das kommt jetzt langsam so wieder in die Erinnerung, war teilweise auch so ein bisschen Laissez faire. Also ich weiß, dass die eine oder andere Rechnung habe ich dann einfach liegen lassen, die war mir nicht wichtig. Das waren so Kleinbeträge, so 30 € oder so.

Stefanie So, jetzt erinnere ich mich wieder. Da kam dann Inkasso und was weiß ich. Und das waren wirklich so Minibeträge, wo ich immer gedacht habe, was ist das denn hier, das kannst du sofort bezahlen. Nein, er lässt es liegen.

Carsten Bis dann das Inkasso kam.

Stefanie Genau. Ja, und dann habe ich gedacht: Oh Gott! Und ich, pflichtbewusst wie sonst was, habe dann immer das Herzpochen gehabt und bei dir so: „Ja egal.“

Carsten Ist nicht so wichtig.

Stefanie Genau.

Carsten Genau so, „nicht so anstellen.“ Ja, das war tatsächlich so die Mentalität.

Stefanie Ja stimmt, das habe ich schon total vergessen. Da können wir jetzt schon mal vorgreifen: Carsten ist davon kuriert.

Carsten Ja, schon seit langem. Aber das war tatsächlich damals noch so, weil diese Ausgaben oder diese Rechnungen für aus meiner Sicht wirklich Nebensächlichkeiten da waren.

Stefanie Stimmt. So war das.

Carsten Das habe ich dann einfach stumpf weg liegen lassen. Ich habe dann auch noch Rechnungen mal längere Zeit ignoriert. Jetzt nicht böswillig, sondern einfach nur, weil es nicht wichtig genug war. Aber spätestens dann, wenn so ein Inkassounternehmen anklopft. Ich meine, die sind ja jetzt nicht physisch vor der Tür gewesen, man kriegt ja mal nette Schreiben, da hängt dann mal eine Null hinten an der Forderung dran, oder keine Ahnung, aus den zehn sind dann irgendwie im Laufe der Zeit 100 € geworden oder ich weiß nicht mehr, was für Werte es waren, aber ne, dann gewinnt das Ganze natürlich an Fahrt und an Relevanz. Ja.

Stefanie Ja, ja. Aber dass das halt auch was bei der Schufa zum Beispiel auslöst, wenn du deine Rechnungen nicht zahlst, das war ja alles gar nicht so im Bewusstsein. Stimmt, das hatte ich schon ganz verdrängt, dass das ja auch noch so ein Faktor war.

Carsten Das ist aber symptomatisch für mein Verhältnis zu meiner persönlichen Finanzplanung.

Stefanie Sowas habe ich nie gemacht, nie. Also ich habe immer versucht, alles sofort zu bezahlen und ich glaube, da haben wir uns ja auch ganz gut ergänzt so weit. Aber ich glaube, was uns so ins Verderben gestürzt hat, war auch dieser Gedanke: Ach komm, das gönnen wir uns. Ach komm. Also wir waren ja nicht so, von wegen: Hey, wir kaufen uns jetzt auf Kredit, die Villa am Strand und 1000 Urlaube oder so. Es war ja alles immer irgendwo noch in Maßen, aber einfach durch diese Vorbelastung, dass ich dieses Auto mit reingebracht habe, dass da dein Kredit noch war, waren wir ja einfach auch nicht schuldenfrei am Anfang. Wir sind schon mit Schulden quasi in die Beziehung gegangen.

Carsten So rückwirkend war aber noch mal ein anderer Faktor da. Da sind wir ja im Laufe der Jahre auch so ein bisschen schlauer geworden. Das ständige Bezahlen mit EC Karte hat auch bewirkt, dass da tatsächlich kein Blick mehr dafür gewesen ist, was ist eigentlich noch auf dem Konto drauf?

Stefanie Das stimmt.

Carsten Ich habe also nie mitgerechnet. Ich habe auch nicht täglich oder wöchentlich, noch nicht mal monatlich auf mein Konto geschaut. Meistens kamen die Kontoauszüge per Post hinterhergeschickt, weil irgendwann die Bank gemerkt hat, der holt die nicht ab. Das sind dann immer so Zeitpunkte gewesen, da hat man dann so ein bisschen die Zahlen gesehen, aber sonst waren sie nie präsent. Also im Grunde genommen wäre das vielleicht gar nicht so ausgeartet, wenn zumindest ich persönlich damals schon mal so diese Angewohnheit gehabt hätte: ein festes Budget. Bar einmal im Monat. Das heben wir uns ab. Und davon leben wir. Und wenn die Tasche leer ist, dann habe ich zumindest da den Blick drauf.

Stefanie Ja, ja, das ist auch nach wie vor. Also, jetzt, wo wir das gerade ja aufnehmen, ist das aufgrund der Corona Pandemie alles so durcheinandergeraten. Und da wird die ganze Zeit gefordert, dass Du kontaktlos bezahlst. Aber bis dahin, also bis wir jetzt hier so ein bisschen eingeschränkt wurden, ist das heute auch nach wie vor so, dass wir ein festes Budget uns gesteckt haben, was wir bar abheben am Anfang des Monats und uns einteilen für die Wochen und dann die Wocheneinkäufe davon tätigen. Und das ist auch wirklich ein Tipp, den wir dir, liebe Hörerin, lieber Hörer, mitgeben können, wenn du ihn annehmen möchtest, was uns sehr geholfen hat, damit besser klar zu kommen. Ich gucke sowieso jeden Tag aufs Konto im Onlinebanking und schaue, wie da alles so aussieht. Aber das ist eben so, dieses feste Kontingent zu haben und zu sagen: okay, so und so viel Geld verbrauchen wir ungefähr im Monat und über Vorratshaltung usw. und so fort sprechen wir im Einfach Vegan Podcast, da kannst du gerne noch mal nachhören, aber stimmt also mit der EC Karte zu zahlen, das ist tatsächlich etwas, was uns auch so mit ins Verderben gestürzt hat.

Carsten Ja, und also mich persönlich damals sehr, weil ich ja gar nicht auf das Konto geguckt habe, das war einfach tödlich und heute weiß ich es zu schätzen Bargeld als physischen Gegenstand, der sich dann irgendwann auch wirklich physisch erschöpft, irgendwann ist das Kontingent weg oder ist das Portemonnaie leer, das sind dann viel greifbarere Indizien als irgendwelche abstrakten Zahlen, die im Onlinebanking oder auf dem Kontoauszug zu sehen sind und vielleicht auch nur dann präsent sind, wenn ich tatsächlich aktiv hingucke. Das Portemonnaie habe ich ja immer dabei und weiß dann auch zwischendurch, habe ich jetzt überhaupt noch Geld dabei oder habe ich jetzt vielleicht das Kontingent noch zu Hause liegen lassen? Also, bin ich jetzt überhaupt in der Lage, zwischendurch was zu bezahlen oder was zu kaufen? Das ist für mich persönlich schon eine riesige Hilfestellung, das Ganze auf Bargeld zu machen. Unter anderem deswegen bin ich ein Verfechter von Bargeld.

Stefanie Ja, und aufgrund von Datenschutz. Genau. Ja, das war jetzt so ungefähr der Stand, als wir uns kennengelernt haben und unsere Ausgangsposition, wie wir in unsere Beziehung gestartet sind und alles weitere, wie es dann weiterging, hörst du dann in der nächsten Staffel.

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